Kommt ein BEST BLOG Blogstöckchen geflogen…

Heute erreichte uns ein Tweet von Tanja Praske mit den Worten “Ein #Blogstöckchen kommt geflogen!”. Verletzt wurde dabei natürlich niemand – wir haben das Stöckchen gefangen. Erst einmal kurz zur Erklärung: Das Blockstöckchen funktioniert ein bisschen wie ein Staffellauf. Ein Blogger “wirft” es dem nächsten (oder mehreren) zu und diese/r antwortet dann auf die gestellten Fragen oder sagt was zum gerade aktuellen Thema. Tanja hat ihr Best Blog Stöckchen an einige Museen und Kulturinstitutionen weitergeschickt, weil sie die Blogs mag und sich über Blicke hinter die Kulissen freut. Dass wir hier dabei sind freut uns natürlich besonders. deshalb hier unsere – oder besser gesagt größtenteils meine – Antworten:

1. Wer bist du? Und was reizt dich an deinem Job?

Die erste Frage beantworte ich jetzt mal ganz persönlich: ich bin Juliane und mit einigen meiner Kollegen blogge ich für das Museum für Naturkunde Berlin. “Eigentlich” mache ich am Museum das Eventmanagement und auch das Marketing und auch Social Media und noch so dies und das. Damit wären wir schon genau an dem Punkt, was mich an dem Job reizt: er ist einfach so wahnsinnig vielfältig. Viele Themen, die ich alle spannend finde. Aber das allertollste an meinem Job ist das Museum selbst. Hier gibt es so viel zu entdecken: einzigartige Objekte, unglaubliche Geschichten, tolle Ausstellungen, wahnsinnig nette Menschen und Kollegen und hey – wenn man ein mal im Sauriersaal als Letzte nach einer Veranstaltung das Licht ausmachen darf, weiß man, dass dieser Ort ganz besonders ist.

2. Wie lange plantet ihr die aktuelle Ausstellung/Projekt? Was war die größte Herausforderung dabei und wie wurde diese gelöst?

Das ist jetzt nicht so ganz mein Gebiet, deshalb würde ich die Frage einfach mit einem Blogeintrag von unserem Ausstellungsmacher Uwe Moldrzyk beantworten. Bei der letzten Sonderausstellung zum 60. Geburtstag der Doppelhelix hatte er nämlich ganz schön mit dem Thema zu kämpfen, denn wie soll man etwas ausstellen, was man gar nicht sehen kann? Wie das gelöst wurde, konnte sich aber mehr als sehen lassen. Mehr dazu in unserem DNA-Blog.

3. Was ist das oder eines der kleinsten Objekte eurer Sammlung?

Das sind wahrscheinlich die Objekte unserer DNA-Sammlung. Besonders spannende ganz kleine Objekte finden sich aber auch in der mikropaläontologischen Ehrenberg-Sammlung. Ehrenberg war ein Freund von Alexander von Humboldt und sammelte zahlreiche mikropaläontologische Proben auf der ganzen Welt. Diese lagern bei uns am Museum und sind so wichtig, weil “dieses bisschen Staub” den Wissenschaftlern heute zum Beispiel viel über die Klimaverhältnisse auf der Erde vor der Industrialisierung verraten kann und dementsprechend genau (und erschreckend) aufzeigen, wie sehr der Mensch in nur kurzer Zeit zum Klimawandel beigetragen hat.

4. Gibt es eine kuriose Geschichte/Erlebnis um ein Objekt/Ausstellung? Erzähle sie uns. Es kann auch einfach ein kurioses Objekt aus der Sammlung sein.

Bei 30 Millionen Objekten gibt es ebensoviele Geschichten und Erlebnisse. Von Sammlungen, die während des Krieges heimlich gerettet werden mussten, Humboldts Papagei, der bei einer Bombendetonation ziemlich mitgenommen wurde über Hai-Eier, die in der Paläobotanik-Sammlung auftauchen. Mein persönliches kurioses Lieblingsobjekt findet man in unserer Mineraliensammlung. Es ist ein Schuh, der mit Calcit umformt ist. Das Objekt stammt aus dem Nachlass von Rudolph Virchow und wurde an einer heißen Quelle in Argentinien gefunden. Leider ist es zu fragil für die Ausstellung.

Calcit Schuh aus dem Nachlass von Virchow

Leider wissen wir bis heute nicht, wer das Etikett geschrieben hat.

Leider wissen wir bis heute nicht, wer das Etikett geschrieben hat.

 

5. Hast du ein Lieblingsstück? Warum?

Das ist immer eine schwere Frage, die ja auch beim #askacurator Day immer wieder gestellt wurde. Damals haben wir einstimmig gesagt:

“1 fave in 30Mio objects? No- but we have 177.456 holotypes-so precious that we have at least as many favourites :-)

Ganz persönlich habe ich kein Lieblingsobjekt, aber definitiv einen Lieblingsraum bei uns im Museum und zwar ist das der Besucherrundgang in unserer Nass-Sammlung. Hier kann man in eine Forschungssammlung blicken und ich könnte stundenlang in dem Raum stehen (wenn es nicht so kalt wäre) und mir ansehen, wie die Besucher die Augen aufreißen und ihren Mündern “Oh’s”, “Ah’s” und auch “Iiihs’s” entweichen wenn sie hereinkommen. Ich kann nie einfach nur so vorbei laufen, sondern werde in dem Raum immer etwas langsamer und genieße den faszinierenden Anblick.

Rund eine Million Objekte der zoologischen Sammlungen untergebracht: Fische, Spinnen, Krebse, Amphibien und Säugetiere lagern in 276.000 Gläsern mit 81.880 Litern Alkohol in dieser modernen Forschungssammlung.

Rund eine Million Objekte der zoologischen Sammlungen untergebracht: Fische, Spinnen, Krebse, Amphibien und Säugetiere lagern in 276.000 Gläsern mit 81.880 Litern Alkohol in dieser modernen Forschungssammlung.

6. Welches Objekt habt ihr zuletzt warum restauriert bzw. restaurieren lassen und nach welchen Kriterien?

Darauf weiß ich ganz ehrlich keine Antwort. Wir haben ja viele Präparatoren, die immerzu für die Sammlungen arbeiten. Das Instandhalten der Sammlung ist ja Aufgabe der Kuratoren und wann welches Stück wie restauriert wird ist ganz unterschiedlich (Mehr dazu zum Beispiel in unserem Beitrag “Was kuratiert der Kurator eigentlich?”) . Manchmal kann eine anstehende Ausstellung ein Anlass sein, manchmal eine wissenschaftliche Fragestellung, ein historischer Hintergrund, eine externe Anfrage, ein Projekt oder so. Arbeit haben die Präparatoren in jedem Fall genug. Besonders schön finde ich, wenn ein Objekt restauriert werden kann, weil jemand eine Patenschaft dafür übernommen hat. Unsere Kampagne ist im Moment zwar nicht so aktiv, aber es gibt mehr als 3500 Paten, die mit einer Spende dazu beigetragen haben, dass ihr “Patenkind” restauriert und gut untergebracht werden konnte.

7. Welchen Stellenwert besitzt das Blog für das Haus?

Wir lieben den Blog um über unsere Sammlungen zu schreiben, denn man kann ja nicht alles in der Ausstellung unterbringen. Außerdem ist es ein tolles Medium auch mal etwas abseits der ganz eigenen Themen unterwegs zu sein. Zum Beispiel draußen in der Natur. Wir wollen ja Menschen für Wissenschaft und Natur begeistern und das geht natürlich super mit Ausstellungen und Objekten, aber das reicht natürlich nicht. Deshalb finde ich unsere “In und um Berlin” Kategorie toll, wo wir zeigen können, wie viel es hier zu entdecken gibt und wie grün Berlin eigentlich ist. Leider können wir aus vielen Gründen noch nicht so umfangreich mit dem Blog arbeiten, wie wir es gern würden. Aber daran arbeiten wir :-)

8. Hast du einen Artikelfavoriten im Blog? Wenn ja, warum?

Oh ja. Ich lese mit großer Begeisterung die Kinderblog-Artikel von meiner Kollegin Gesine. Als eine der wenigen Nicht-Wissenschaftler hier am Haus gebe ich gern und offen zu, dass ich so einiges Grundlegendes nicht (mehr) weiß und dann sehe ich gern hier nach, warum zum Beispiel der Himmel blau oder der Schnee weiß ist.

9. Was bedeutet dir Kultur?

In jeder Hinsicht viel. Ich liebe es, durch die Berliner Museen zu schlawienern, im Kabarett zu lachen oder ein gutes Buch zu lesen. Das ist Entspannung und Lernen zugleich.

10. Wenn du kulturell „fremdgehst“ (außerhäusliche Aktivitäten), was machst du?

Diese Aufzählung würde eindeutig den Rahmen sprengen :-) Deshalb hier eine ganz kurze, sehr persönliche und in keinem Fall exklusive Liste mit drei Berlin-Empfehlungen “off the beaten tracks”, die man – neben einem Besuch im Museum für Naturkunde – unbedingt gemacht haben sollte:

1. ein Besuch im Medizinhistorischen Museum (faszinierend!)
2. ein Besuch im Stasigefängnis Hohenschönhausen (berührend!) und
3. eine Führung im ehemaligen Spreepark (besonders, wenn man ihn noch in Aktion kennt).

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Mein letzter Spreepark-Besuch war dinogefährlich :-)

11. Du hast drei Wünsche frei, welche sind das?

Klingt komisch wenn man das sagt, aber eigentlich bin ich so wunschlos glücklich, dass die ersten drei Dinge, die mir bei dieser Frage in den Kopf kommen Schokolade, morgen noch mal Sonnenschein und übermorgen noch mal Sonnenschein sind :-).

Der Nächste bitte

Liebe Tanja, ich hoffe, ich konnte alle Fragen zu deiner Zufriedenheit beantworten und für euch alle war hoffentlich auch etwas Spannendes dabei. Nun überlege ich, wem ich ein Blogstöckchen weiterwerfe. Tanja lädt hoffentlich noch viele Museen ein, deshalb würde ich ein paar Inspirationen draußen vor der Tür erfragen. Da fallen mir drei Lieblings-Best-Blogs ein: Einmal die Kollegen vom Visit Berlin Blog, weil sie echt immer wieder aufs Neue Dinge finden, die ich in meiner eigenen Stadt nie selbst entdeckt hätte, dann Jenny Fuchs von Museumdiary, die einfach jedes erdenkliche Museum kennt und so liebevoll über sie schreibt und Katrin Gewecke von Liebling Brandenburg, weil sie mich mit ihrem Blog immer dazu bringt, dass ich sofort in die Bahn steigen und ins Grüne fahren möchte. 

Meine Fragen für euch:

1. Wer bist du und was magst du am Bloggen?

2. Wenn du eine ganze Woche nur zum Bloggen hättest: welches Thema würdest du gern mal recherchieren und darüber schreiben?

3. Bist du Berliner/ Brandenburger oder zugezogen und warum bist du hergekommen/ bzw. geblieben?

4. Welcher Ort in Berlin oder Brandenburg ist dein persönlicher Lieblingsort?

5. Welcher ist euer Geheimtipp für eine kleine Stadtflucht ins Grüne, die man in weniger als 15 Minuten vom Alexanderplatz aus erreichen kann?

6. Was war dein prägendstes Naturerlebnis?

7. Welches Museum ist am ehesten wie du selbst?

8. Wann warst du das letzte Mal in einem Naturkundemuseum?

9. Es gibt ja viele große, bekannte und berühmte Museen, aber welches ist dein persönliches, kleines Lieblingsmuseum, was wahrscheinlich niemand kennt, aber jeder kennen sollte?

10. Deine drei Lieblingsblogartikel über Berlin.

11. Gibt es irgendwas, was du einen Museumskurator schon immer mal fragen wolltest? (Ich bemühe mich hier um Rückantworten meiner Kollegen :-))

Ich würde mich freuen, wenn ihr das Blogstöckchen annehmt. Wie es weitergeht hat Tanja Praske netterweise zusammengefasst – ich bin so frei, es hier wörtlich wiederzugeben:

  1. Beantwortet meine elf Impulsfragen. Ihr dürft sie euch passend biegen.
  2. Baut das Best Blog Award-Bildchen ein und verlinkt es mit demjenigen der es euch verliehen hat bzw. verlinkt auf den Artikel des Werfers.
  3. Verfasst elf neue Fragen, spielt damit und reicht das Best Blog Blogstöckchen an zehn Blogger eurer Wahl weiter, es können auch weniger sein.

Wir sind gespannt.

6 Gedanken zu „Kommt ein BEST BLOG Blogstöckchen geflogen…

  1. Pingback: 11 Questions to a Museum Blogger on Museum Blog/gers Day | Museum Diary

  2. Pingback: Best Blog Blogstöckchen: gefangen und gespitzt!

  3. Tanja Praske

    Liebe Juliane,

    eine Turbo-Antwort und so herrlich! Genau deshalb habe ich Euch und den anderen Museen das Blogstöckchen zugeworfen. Schmerzen sehe ich hier in der Tat keine, sondern Freude am Bloggen, an der eigenen Tätigkeit, am Haus. “Nebenher” erfahre ich Tolles über/aus dem Museum. Du hast mir Appetit auf Eure Sammlung gemacht, vor allem reizt mich dein Lieblingsraum – die Nass-Sammlung. Bin gespannt, wenn ich Euch besuche, ob ich im Chor der “Oh‘s”, “Ah‘s” und “Iiih‘s” einstimme. Euer Blogstöckchen verfolge ich weiter, denn die Fragen gefallen mir sehr gut – klasse! Und die erste Antwort von Jenni Fuchs ist famos – das Blogstöckchen wird international – eins A mit Sternchen – toll gemacht!!!

    Heute schmiss mir das Museum Burg Posterstein das Blogstöckchen zurück: http://bit.ly/1nDWNVf – ich bin schwer begeistert von der Lawine, die ihr alle mit in Gang gesetzt habt!

    Merci beaucoup für diesen wunderbaren Blick hinter die Kulisse!

    Sonnige Grüße aus München
    Tanja Praske

    Antworten
  4. Pingback: Best Blog Blogstöckchen | Pearltrees

  5. Pingback: Ein Blogstöckchen wird international und das Museum #offen

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